„I want to break free“

28. deutscher Nachwuchswettbewerb für Edelstein- und Schmuckgestaltung Idar-Oberstein 2016

DAS THEMA:

„I want to break free"

Verlangt wurde ein Schmuckstück mit Edelsteinen.
Perlen durften nur in Verbindung mit Edelsteinen verwendet werden.
Die Verwendung von Synthesen war zugelassen. 



   1. PREIS: ELISABETH HABIG
WIEN, ÖSTERREICH, URKUNDE UND 1500 EURO

Ohrschmuck aus geschwärztem Silber und Rauchquarzen 

Alles andere als opulent ist der handwerklich hervorragend gefertigte und eine überwältigende Kraft und Ästhetik ausstrahlende Ohrschmuck. Mit einem minimalen und zugleich spannungsreichen Materialeinsatz sowie einer an Klarheit nicht zu übertreffenden Formensprache ist es der Preisträgerin vortrefflich gelungen, einen gut tragbaren Ohrschmuck zu kreieren. „Genial, einfach, aufs absolute Minimum reduziert und das Thema wird sofort klar. Die Farben perfekt, die Verarbeitung super. Spannend ist auch, dass das eine Stück größer ist als das andere und am Ohr getragen einfach sensationell aussieht“, so das schlagwortartige Urteil von Jurymitglied Thomas Schubart aus Düsseldorf. „Dieser Ohrschmuck ist ‚Understatement total‘. Sobald man die Stücke in der Hand hält, ist man hellauf begeistert. Am Ohr sehen sie spektakulär aus; ich würde sie sofort nehmen“, so das begeisterte Statement der prominenten Jurorin Deborah Sasson. Passend zu ihrer puristischen Arbeit und der Erkenntnis „Manchmal ist weniger mehr“, beschreibt die Preisträgerin ihre Arbeit kurz und knapp: „Die Rauchquarze, die im Mittelpunkt des Stückes stehen, wollen aus der Fläche ausbrechen … sich befreien.“ Die Jury hatte dem nichts hinzuzufügen und entschied einstimmig. 

 

   2. PREIS: CELIA ZIEROTT, STUTTGART, AUSZUBILDENDER BEI GOLDSCHMIEDE GRÜNGOLD, TÜBINGEN, URKUNDE UND 1000 EURO

Ring aus Rotgold, Silber und Rauchquarz 

Nach Auffassung der Jury kommt der 2. Preis beim Nachwuchswettbewerb zunächst „eher schlicht und simpel daher“. Bei näherer Betrachtung hat es diese Wettbewerbsarbeit, mit der das Thema „I want to break free“ nach Ansicht der Jurorin Astrid Berens-Bodt auch mit großer handwerk licher Qualität und technischer Finesse umgesetzt wurde, aber in sich. Die Preisträgerin, die mit einem minimalen Materialeinsatz zu überzeugen wusste, beschreibt ihre puristisch und archaisch anmu- tende Wettbewerbsarbeit mit den Worten: „Der geradlinige, geometrische Ring bedeutet für den Rauchquarz Gefängnis und Freiheit zugleich. Der Stein scheint zu schweben und ist doch gefangen. Es sei denn, der Träger befreit ihn und trägt statt seiner die Hülle, die der Form des Steines ent - spricht. Dann kann der befreite Rauchquarz mit seinem besonderen Schliff von allen Richtungen betrachtet und erforscht werden.“ Die Jury entschied bei dieser Arbeit, die von großer individueller Qualität, Kreativität und kom - promissloser Umsetzung geprägt ist, mehrstimmig. 

 

   3. PREIS: CHIARA SOPHIE STELZL, EMSKIRCHEN,
AUSZUBILDENDE BEI JUWELIER PAUL WINNEBECK GMBH & CO. KG, ERLANGEN, URKUNDE UND 500 EURO

Diamantohrringe aus Weißgold, Diamantplatten, Diamantoktaedern und zwei facettierten Diamanten 

„Die Einfachheit und Komplexität der Stücke ist wunder- schön“, lautete das Urteil des kanadischen Schmuck- designers Myles Mindham zu dem fi ligran komponierten und gut tragbaren Ohrschmuck, der durch eine minima lis- tische und zugleich delikate Materialauswahl besticht. Begeistert war die Jury bei diesem sinnlichen Ohrschmuck von den beiden Rohdiamantkristallen, die sich lose in dem Objekt bewegen, jedoch nicht herausfallen können. „They want to break free … but they can’t“ lautet daher auch die treffende Beschreibung der Preisträgerin zu ihrer Arbeit. „Je nach Betrachtung ergeben sich auf den zweiten Blick im Licht durch die starke Reflexion der Diamanten zusammen mit der Oberfläche der Rohkristalle reizvolle Korrespon- denzen. Neben den optischen Effekten wird für die Trägerin auch eine gewisse und zugleich charakteristische Akustik der aufeinandertreffenden Diamanten hör- und fühlbar. Durch die zufällige ‚Bewegung‘ der Rohdiamanten im ‚Kris- tallkäfi g‘ wird das Tragen nicht nur zu einem optischen und haptischen, sondern auch zu einem akustischen Erlebnis“, so die weitere Beschreibung der Preisträgerin zu ihrem be- zaubernden Ohrschmuck. Die Jury entschied mehrstimmig. 

 

   BELOBIGUNG:

NADINE BACH, ACHTELSBACH, AUSZUBILDENDE BEI GROH + RIPP OHG,
IDAR-OBERSTEIN, URKUNDE UND 250 EURO

 Anhängerschmuck aus Pyrit, Edelstahl und Eisennägeln 

Bei dieser Arbeit lobte die Jury insbesondere die überzeugende Umsetzung und kreative Interpretation des gestellten Wettbewerbsthemas sowie die konzeptionell überzeugende Kombination der verwendeten Materialien. Das „Schloss der Hoffnung“, wie es die Preis-trägerin nennt, kann sowohl als Objekt als auch als Anhängerschmuck verwendet werden. „Ein Schloss, in das Nägel eingeschlagen wurden, würde sich entweder niemals öffnen oder unter der Wucht zerspringen. Der Mechanismus im Inneren wird blockiert, gestört oder beschädigt. Die Nägel der Angst, der Verzweiflung und der Wut schlagen Risse in das schwere Schloss und schwächen es. Es ist eine Frage der inneren Kraft, ob die Hoffnung nachgibt oder sich stark gegen alle Zweifel stellt“, so die philosophische Begründung der Preisträgerin zu ihrer Arbeit. Die Jury entschied mit großer Stimmenmehrheit. 

   BELOBIGUNG:

ELIANA PETSCH, IDAR-OBERSTEIN, URKUNDE UND 250 EURO

Halsschmuck aus Silber mit Amethyst und Perlenkette 

Die Jury honorierte bei diesem aufwendigen und zugleich handwerklich perfekten Anhängerschmuck, der durch eine klare Formensprache besticht und geradezu architektonisch anmutet, die fantasievolle Auseinandersetzung mit dem gestellten Wettbewerbsthema. Bei dieser reiz-vollen und spannungsreichen Arbeit steht eine zunächst geschlossene Form im Mittelpunkt, die sich plötzlich öffnet und entfaltet und einen prachtvoll leuchtenden Stern preisgibt. „I want to break free“ heißt für die Preisträgerin: „Ich will mich entfalten, mein Selbst nach außen tragen, den Rahmen sprengen und mich von Fesseln lösen. Das Beste preisgeben, meine Mitte finden und in meiner Freiheit aufgehen. Öffnet man die geschlossene Pyramidenform, werden die Strah-len freigelassen und ermöglichen dem Betrachter, den Amethyst in seiner vollen Facettenpracht wirken zu lassen.“ Die Jury entschied auch hier mit großer Stimmenmehrheit. 

   BELOBIGUNG:

 KIM PLACZEK, DORN-DÜRKHEIMAUSZUBILDENDE BEI ALTSTADT-GOLDSCHMIEDE, ALZEY N. ESPENSCHIED, ALZEY, URKUNDE UND 250 EURO

 Anhängerschmuck aus Pyrit, Bergkristall und Silber (teilweise geschwärzt) 

„Eine großartige Visualisierung des gestellten Wettbewerbsthemas“ ist der Preisträgerin laut Jury mit ihrem Medaillon-Anhängerschmuck gelungen, wobei die Juroren auch die überzeugende handwerkliche Qualität lobten. Die Preisträgerin greift mit einer aufbrechenden Weltkugel aus graviertem Bergkristall das aktuelle Flüchtlingsthema auf und versinnbildlicht es zugleich: „Auf der einen Seite befindet sich die Weltkugel und der Pyrit bricht genau da aus, wo sich die jetzigen Krisengebiete befinden, aber auch bei Europa bricht er noch aus. So wird nach Aussage der Preisträgerin symbolisiert, dass die Flüchtlinge ausbrechen und nach Europa kommen, um Freiheit zu erlangen. Auf der anderen Seite versucht der Pyrit, der so individuell ist wie der Mensch selbst, sich mit all seinen Facetten, groben Flächen, Ecken und Kanten sowie Lebensgeschichten aus dem Bergkristall zu befreien.“ Die Jury entschied mehrstimmig.