„just an illusion“

48. Deutscher Schmuck- und Edelsteinpreis

DAS THEMA:

„just an illusion“ 

Im Vordergrund stand die Edelsteingestaltung. Erlaubt waren ungefasste Edelsteine, der Edelstein im Schmuckstück (hier durften nur Edelmetalle verwendet werden), das Edelsteinobjekt und die Edelsteinskulptur. Die Verwendung von Synthesen war nicht zugelassen.

 

 






   1. PREIS: STEFANIE DINGEL 
VEITSRODT, URKUNDE UND 4000 EURO

 

Ring aus rhodiniertem Silber mit Bergkristall und Aquamarin

 Nach Auffassung der Jury handelt es sich bei diesem Edelsteinring, mit dem die Preisträgerin die geforderte „Illusion“ perfekt in Szene setzt, um das beste Stück des diesjährigen Hauptwettbewerbs und eine „sehr ausgereifte Arbeit“. Diese besticht durch eine kompromisslose sowie handwerklich perfekte Gestaltung, eine überaus klare Formensprache und einen auf das Wesentliche reduzierten Materialeinsatz, mit dem ein Maximum an optischer Wirkung erzielt wird. „Der Ring ist“, so die Preisträgerin, „aus rhodiniertem Silber mit Bergkristall und Aquamarin gearbeitet. In der Silberhalbkugel liegt ein frei beweglicher, runder facettierter Aquamarin. Darüber ist eine dünne Bergkristallscheibe gesetzt, die verhindert, dass der Aquamarin sich auf den Kopf drehen kann. Die Silberschale des Ringes ist mit einer Halbkugel aus Bergkristall abgedeckt. Der Bergkristall ist an der Oberseite abgeflacht und mattiert. Durch Bewegung des Aquamarins entsteht für den Betrachter der Eindruck, als sei eine Flüssigkeit unter dem Bergkristall.“ Die Jury befand, dass der 1. Preis hochverdient und die Thematik hervorragend getroffen ist. Die Materialauswahl überzeugt ebenso wie das spannungsreiche und effektvolle Zusammenspiel von mattierten und polierten Edelsteinflächen. Einen nicht sichtbaren und beweglichen, facettierten Aquamarin dazu zu bringen, die Illusion von ganz sacht und weich wogendem Wasser zu erzeugen, ist großartig und verdient ein großes Kompliment. Die Jury, die auch von der gelungenen Kombination teils polierter, teils mattierter Edelsteinflächen und der daraus resultierenden Lichtwirkung begeistert war, entschied mit großer Stimmenmehrheit.

 

   2. PREIS:
 
CLAUDIA ADAM UND JÖRG STOFFEL, STIPSHAUSEN, URKUNDE UND 2500 EURO 

Edelsteinobjekt aus Achat 

Kurz und knapp ist die Beschreibung der Preisträger zu ihrem Edelsteinobjekt aus Achat: „Ein Würfel aus sechs dünnen polierten Achatscheiben im rechten Winkel zusammengesetzt: Angeschliffene Flächen ergeben je nach Betrachtungswinkel ein in sich ,verzogenes‘ Gebilde. Ein unregelmäßiger Würfel zeigt sich dem Betrachter. Die Dünnwandigkeit des Materials führt den Blick ins Innere und lässt das Auge mit der Räumlichkeit spielen.“ Die Jury zeigte sich bei diesem Edelsteinobjekt nicht nur von der perfekten und kompromisslosen Edelsteinbearbeitung sowie den zu einem Würfel zusammengefügten hauchdünnen Achatscheiben begeistert, sondern auch von der „überraschenden Leichtigkeit“ dieses Objekts. „Betrachtet man das Edelsteinobjekt, hat man“ – so Jurorin Britta Carrera – „das Gefühl, als habe man es mit einem schweren Edelsteinobjekt zu tun. Nimmt man es dann aber in die Hand, ist es leicht wie eine Feder und die Überraschung groß. Es ist für mich eine faszinierende Illusion, bei der die verwendeten feinen durchsichtigen Achatplatten eine großartige optische Wirkung entfalten.“ Die Jury, die auch hier das Wettbewerbsthema perfekt getroffen sah, entschied mit großer Stimmenmehrheit. 

 

   3. PREIS:
 
MONIQUE ABELN, IDAR-OBERSTEIN, URKUNDE UND 1500 EURO

Edelsteinobjekt aus Silber, Bergkristall und Rauchquarz  

Mit „Schwebende Täuschung“ hat die Preisträgerin ihre Wettbewerbsarbeit überschrieben und erläutert dazu: „Wir schauen auf einen perfekten Diamanten, der über dem Boden zu schweben scheint. Unwirklich, doch so real. Das Auge täuscht uns nicht. Zum Greifen nah – und müssen dann doch feststellen: Es ist alles nur eine Illusion.“ Ein gebogener, gar verzerrter Rauchquarz in Form eines Diamantschliffes. Doch die wahre Form erkennt der Betrachter erst beim genauen Hinschauen. Denn erst in einem bestimmten Winkel sieht man die Spiegelung im Rohr. Dadurch, dass man die Halterung in der Spiegelung nicht sieht, scheint der Stein über dem Boden zu schweben.“ Jurymitglied Robert Kunz sah in diesem handwerklich überzeugend gestalteten und architektonisch anmutenden Edelsteinobjekt das gestellte Wettbewerbsthema „just an illusion“ hervorragend getroffen. Die Jury entschied mit großer Stimmenmehrheit. 

   BELOBIGUNG:

TANJA BROMBACHER, NIEDERWÖRRESBACH,URKUNDE UND 500 EURO

Edelsteinobjekt aus Silbercalcit, Bergkristall, gelb-, grün-, blau- und
rotgefärbtem Achat, Karneol, Amethyst und Perlmutt 

„Dieses Edelsteinobjekt zeigt“, so die Preisträgerin, „die Illusion eines Regenbogens in einem Bergmassiv. Durch einen optischen Effekt des linsenförmig geschliffenen Kristalls spiegeln sich die Farben der im inneren Radius eingesetzten farbigen Steine regenbogenartig im äußeren Rand des Kristalls.“ Jurorin Dr. Heide Rezepa-Zabel: „Ein wunderschöner Gegensatz zwischen naturbelassenem, größtenteils unbearbeitetem Stein und einem geschliffenen Bergkristall, der das Licht streut und den Betrachter mit seiner großartigen Farbvielfalt überwältigt. Sehr überzeugend in seiner Gegensätzlichkeit und Darbietung – einfach wunderbar.“ Die Jury, die außerdem die handwerkliche Gestaltung sowie die fantasievolle Umsetzung des gestellten Wettbewerbsthemas lobte, entschied einstimmig. 

   BELOBIGUNG:

STEFANIE DINGEL, VEITSRODT, URKUNDE UND 500 EURO

Edelsteinobjekt aus Onyx mit Bergkristall und Citrin 

Eine perfekte Illusion und optische Täuschung steht im Mittelpunkt dieser sich auf wenige verwendete Materialien beschränkenden Wett-bewerbsarbeit, zu deren Machart die Preisträgerin erläutert: „Der Bergkristallcabochon ist auf der Rückseite in den Onyx eingepasst. Auf der Vorderseite ist eine Bergkristallscheibe in den Onyx eingepasst. In dem Zwischenraum läuft eine kleine Citrinkugel. Der Cabochon spiegelt die Kugel so, dass der Eindruck entsteht, als sei eine zweite Kugel in dem Objekt.“ „Phänomenal“ befand Jurymitglied Frank Frühauf, der ebenfalls von der effektvollen und das Auge des Betrachters täuschenden Aus-nutzung der Lichtbrechung der verwendeten Edelsteine fasziniert war. Ohne Wenn und Aber: „just an illusion“. Die Jury entschied einstimmig. 

   BELOBIGUNG:

JIN GUO, IDAR-OBERSTEIN, URKUNDE UND 500 EURO

Edelsteinobjekt aus graviertem Lagenstein 

„Ich liebe dieses Stück, ich denke, dass es eine große Illusion an Tiefe und geheimnisvoller Mystik im Nachthimmel verkörpert. Eine großartige Illusion von riesigem und winzigem Raum“, lautete das überschwängliche Urteil des Jurors Robert Bentley. „Seit dem Altertum symbolisiert der Mond in vielen Kulturen die Schönheit“, so die Preisträgerin. „Er wird besungen und wird bewundert. Ein chinesisches Sprichwort lautet: ‚Der Widerschein des Mondes im Wasser verkörpert die unfassbare Schönheit.‘ Die Schönheit verschwindet aber, sobald man versucht, sie zu ergreifen. Sie ist so gesehen eine Illusion. Der im dunklen Wasser verschwimmende Widerschein der Mondsichel ist auf einem Lagenstein graviert und bringt zum Ausdruck: ‚Die Schönheit, zerbrechliche und ewige Illusion, erhellt unsere Existenz.‘“ Die Jury, die von der perfekten Edelsteinbearbeitung und ihrer betörend sinnlichen Ausstrahlung begeistert war, entschied einstimmig.