„Under the Surface“

31. Deutscher Nachwuchswettbewerb für Edelstein- und Schmuckgestaltung Idar-Oberstein 2019

DAS THEMA:

„Under the Surface"

Aus Anlass des 50-jährigen Jubiläums des Hauptwettbewerbs waren auch beim Nachwuchswettbewerb sowohl die Gestaltung von Edelsteinen als auch von Schmuckstücken mit Edelsteinen zugelassen. Die Verwendung von Synthesen war erlaubt. Perlen durften nur in Verbindung mit Edelsteinen verwendet werden.


   1. PREIS: JESSICA MAURITZ
KIRSCHWEILER, URKUNDE UND 1500 EURO

Geschliffener Rutilquarz.

„Die drei goldenen Haare des Teufels“ hat die Preisträgerin ihre Arbeit genannt. Jury-Mitglied Guy Bedarida hob hervor, dass oftmals „weniger mehr ist“. Ihn fasziniert die fantastische Interpretation des natürlichen Kristalls mit seiner Dynamik und spannungsreichen Geometrie. Eine Wettbewerbsarbeit, die zudem bei unterschiedlichen Betrachtungsperspektiven durch außergewöhnliche Lichtreflektionen besticht. Als ihr der Rutilquarz-Rohstein in die Hände fiel, musste die Preisträgerin sofort an das Märchen „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“ denken. Daran anknüpfend wurde der Edelstein als verschobenes Viereck geschliffen. Dabei symbolisieren die drei flach unter der Oberfläche liegenden Rutilnadeln die drei goldenen Haare des Teufels. Die Preisträgerin: „So wie uns das Märchen verzaubert, bin ich von diesem Rutilquarz verzaubert.“ Die Jury sah das Wettbewerbsthema „Under the Surface“ vortrefflich umgesetzt und entschied einstimmig.

   2. PREIS: ELIANA PETSCH, IDAR-OBERSTEIN, URKUNDE UND 1000 EURO

Anhängerschmuck aus Bergkristall, Silber und Kautschukband.

Eine handwerklich perfekte Umsetzung des Wettbewerbsthemas mit einer überwältigenden Kraft und Ästhetik steht bei diesem Anhängerschmuck aus Bergkristall und Silber im Vordergrund. Jury-Mitglied Georg Hornemann zeigte sich begeistert: „Von der Gestaltung her ein sehr gelungenes Stück, das der Preisträgerin zugleich ein hervorragendes handwerkliches Können attestiert.“ Jury-Kollege Mads Kornerup fühlte sich außerdem von der „besonderen Magie des Bergkristalls“ angezogen. Die Preisträgerin erläutert: „Der Stein spielt mit dem Betrachter, wenn dieser durch die auspolierten Blasen nach innen unter die Oberfläche blickt. Es werden schier unendliche lange ‚Wege´ frei. Das Spiel mit dem Bergkristall und dem Betrachten aus verschiedenen Winkeln lässt aus jedem der zwei Seiten ein anderes Bild entdecken“. Die Jury honorierte darüber hinaus die vortreffliche Edelsteinbearbeitung und entschied einstimmig.

 

   3. PREIS: OLES TSURA, IDAR-OBERSTEIN,URKUNDE UND 500 EURO 

Ring aus Serpentin und Wildschweinzahn

Der 3. Preis des Nachwuchswettbewerbs besticht laut Jurymitglied Ramon Puig Cuyás durch seine sehr puristische, schnörkellose und überzeugende Umsetzung des Wettbewerbsthemas. Handwerklich sehr gelungen, kreativ, frech und jugendlich frisch hat der Preisträger das Thema „Under the Surface“ umgesetzt. Der Betrachter wird unweigerlich schmunzeln, wenn er vom Preisträger die Entstehungsgeschichte zu dem außergewöhnlichen Stück hört: „Beim Pilzesuchen im Wald fand ich den getrockneten Schädel eines Wildschweins. Die Zähne habe ich als ,Trophäen‘ mitgenommen und einen davon bearbeitet, sprich getrocknet und geputzt. Nachdem ich den Serpentin gesägt und die Form des Zahns ausgeschnitten, gebohrt und graviert hatte, habe ich beide Teile mit Kleber verbunden. Der Ring mit dem Zahn erinnert mich an die alpinen Berge, die unter dem Himmel mit Schnee bedeckt sind.“ Die Jury entschied bei dieser archaisch anmutenden Wettbewerbsarbeit einstimmig

 

   BELOBIGUNG:

JESSICA MAURITZ, KIRSCHWEILER, URKUNDE UND 250 EURO

Edelsteinobjekt – Kombination aus Phantom-Quarz-Doppelspitze und Amethyst

Jury-Mitglied Mads Kornerup war sehr angetan: „Ein sehr innovatives Stück. Und eine geniale Idee, den Amethyst an die Spitze des Kristalls zu setzen. Das bringt Leben unter die Oberfläche.“ Die Preisträgerin hat ein Naturphänomen in den Mittelpunkt ihrer Arbeit gestellt: einen Bergkristall aus Madagaskar, dessen Phantomspitzen mit grünem Chlorit überzogen sind. „Kraftvoll und magisch wird der Phantom-Quarz von afrikanischen Amethysten begleitet. Die sechs geraden Flächen, dem Kristallwuchs angepasst, ermöglichen einen Einblick in dieses Naturwunder und verleihen dem Objekt eine magische Ausstrahlung“, sagt sie. Ein kleines Edelsteinobjekt mit großer optischer Wirkung – die Jury entschied einstimmig.

   BELOBIGUNG:

JANA WAIBEL, WELZHEIM, URKUNDE UND 250 EURO

Brosche aus Rosenquarz und Silber mit Edelstahlnadel.

„Ich liebe die Idee hinter dieser sehr schön gemachten Brosche. Ebenso die Botschaft, die gelungene Umsetzung des Wettbewerbsthemas und die sehr gute Tragbarkeit“, so das Urteil von Jury-Mitglied Vivienne Becker. Die Erläuterung der Preisträgerin: „,Wie geht es? Gut‘. Das ist die wohl am weitesten verbreitete Lüge. Denn ist man ehrlich, müsste man zugeben, dass man seine wahren Gefühle unter einer Fassade aus guter Laune versteckt. Dies symbolisiert diese filigrane Brosche, die passend zum Thema „Under the Surface“ eine Metapher für Depression, menschliche Individualität und falsche Masken darstellt. Im Mittelpunkt steht ein nicht sonderlich schöner, milchiger Rosenquarz-Cabochon, der teilweise hinter einem – durch ein ausgesägtes Mandala – durchbrochenen Silberblech versteckt ist. Eine Fassade, die nur auf den ersten Blick perfekt wirkt.“ Die Jury entschied bei dieser sehr ausgereiften Arbeit einstimmig.

   BELOBIGUNG:

OLES TSURA, IDAR-OBERSTEIN, URKUNDE UND 250 EURO

Edelsteinobjekt aus Kieselstein

Sein Objekt „New York City“ beschreibt der Preisträger so: „Auf der Straße fand ich den braunen Kieselstein. Weil es mich interessierte, was unter seiner Oberfläche steckt, habe ich ihn parallel und senkrecht eingesägt. Eine genaue Symmetrie ließ nicht erreichen. Viele Teile brachen heraus. Der Prozess erinnerte mich an den Kampf zwischen Mensch und Natur. Letztlich entstand das Bild einer Stadt.“ Jury-Mitglied Ramon Puig Cuyás fühlte sich von der Brutalität der Steinbearbeitung angezogen und lobte die hervorragende Umsetzung des Themas. Durch die herausgebrochenen Fragmente werde es möglich, unter die Oberfläche, sprich in die Häuserschluchten zwischen emporragenden Wolkenkratzern, zu schauen. Die Jury entschied bei dieser sehr kraftvollen Wettbewerbsarbeit ebenfalls einstimmig.